Altenpfleger aus China
Schon bald kommen die ersten Altenpfleger aus China um deutsche Senioren zu pflegen. Die Schulung von 150 Bewerbern hat bereits begonnen. Damit ist Deutschland spät dran. Allein 2010 soll die staatliche Arbeitsagentur Chinca 800.000 Pfleger aus China in alle Welt vermittelt haben.

In Deutschland herrscht bald akuter Pflegenotstand. 40.000 Fachkräfte fehlen bereits und bis 2020 sollen es 110.000 sein. Das Anwerben von ausländischen Pfegekräften liegt also nahe und die Chinesen genießen im Pflegebereich einen sehr guten Ruf. “Wir haben uns in den Ländern, in denen heute schon Chinesen in der Pflege arbeiten, nach der Zufriedenheit erkundigt und wir hören überall nur sehr, sehr positive Nachrichten”,sagt Friedhelm Fiedler von Pro Seniore, einem der größten privaten Anbieter für Senioreneinrichtungen in Deutschland. Altenpfleger aus China” sind sehr gut ausgebildet.”

Gut vorbereitet in den neuen Kulturraum
Angst, dass die Chinesen die Kultur- und Sprachbarriere nicht überwinden könnten, hat Fiedler auch nicht: “Die jungen Chinesinnen und Chinesen werden nach ihrer Pflegeausbildung an der Hochschule in ihrem Heimatland in einem achtmonatigen Intensivschulungsprogramm auf das Land vorbereitet, in das sie gehen werden.” Neben dem umfangreichen interkulturellen Training gibt es ein zusammen mit dem Goethe-Institut durchgeführtes Sprachtraining mit durchaus hohen Anforderungen.
Die sind übrigens so hoch, dass sie in der Vergangenheit Interessenten aus Europa vor dem Umzug nach Deutschland abgeschreckt haben sollen. Neben diesen fachlichen Qualifikationen hat Friedhelm Fiedler noch andere Vorzüge bei Fachkräften aus dem asiatischen Raum entdeckt: “Dort sind ältere Menschen gesellschaftlich ganz anders geachtet als bei uns.” Als in den 60er und 70er Jahren Pflegepersonal aus Korea und den Philippinen angeworben wurde, hätten viele deutsche Patienten dessen Sanftmut, Freundlichkeit und unermüdliche Pflegebereitschaft gelobt.

Projektstart mit 150 Pflegefachkräften
Das Pilotprojekt, das im kommenden Jahr mit 150 Pflegefachkräften aus dem Reich der Mitte beginnen soll, ist zunächst auf fünf Jahre angelegt. “Langfristig ist es aber unser Ziel, die Menschen ganz in Deutschland zu behalten”, so Fiedler. Dabei sollen die Neuankömmlinge auf bestimmte Einrichtungen schwerpunktmäßig verteilt werden. Fünf bis acht Chinesen sollen dann gemeinsam in einem Haus arbeiten, “weil es wichtig ist”, sagt Friedhelm Fiedler, “das Zusammengehörigkeitsgefühl zu unterstützen.”
Das hätten die Erfahrungen aus anderen Ländern, in denen chinesische Pflegekräfte schon eingesetzt werden, gezeigt. Befürchtungen, es könnte durch die neuen Arbeitskräfte zu einem Lohndumping in Deutschland kommen, räumt Thomas Greiner vom Arbeitgeberverbandes Pflege aus. Die Chinesinnen und Chinesen würden nach Tarif bezahlt. Nach den Nationalitäten schaue man in der Pflege ohnehin schon lange nicht mehr, sagt Friedhelm Fiedler: “Die Welt, auch in der Pflege, wird bunter werden. Entscheidend ist, dass die Qualität sehr gut ist.”

Die Gewerkschaft Verdi sieht die Rekrutierung von Altenpflegern aus China dagegen skeptisch. „Das ist keine Lösung, sondern dürfte die Probleme noch verschlimmern“, sagte der Essener Verdi-Sekretär Gereon Falck der WAZ im Interview. Er vermutet dahinter „Unternehmen, die keine Tariflöhne bezahlen“ und warnt vor vermeintlich einfachen Lösungen: „In der Altenpflege und besonders im Umgang mit dementen Menschen geht es sehr um Kommunikation. Sprache und das kulturelle Verständnis sind wichtig.“

Foto von derwesten.de