Die Grünen in NRW verlangen einen Fahrtest für Senioren. Auslöser war ein schwerer Unfall, bei dem eine 80-Jährige in eine Menschenmenge raste. Elf Menschen wurden dabei verletzt, darunter auch vier Kinder. Zwei Kinder mussten auf die Intensivstation.

“Der Bundesgesetzgeber sollte eine verbindliche Überprüfung der Fahrtüchtigkeit nach dem 80. Lebensjahr anordnen”, sagte Arndt Klocke, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Düsseldorfer Landtag, der “Rheinischen Post”. Der Gesundheitschecks sollten unabhängig von früheren Auffälligkeiten turnusmäßig erfolgen. “In unserer älter werdenden Gesellschaft müssen wir gleichzeitig dafür sorgen, dass die Mobilität von Senioren, die zwingend auf das Auto angewiesen sind, nicht unnötig eingeschränkt wird”, sagte der Grünen-Politiker. “Möglicherweise kann man Senioren in Ausnahmefällen zum Beispiel Fahrten zum nächsten Supermarkt oder zu Verwandten in der Nähe erlauben”, so Klocke.

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU in NRW, Bernhard Schemmer, lehnt den Vorschlag der Grünen und eine “staatliche Reglementierung” im Gespräch mit der “Welt” ab. Er sähe keinen ”begründeten Verdacht” für einen Fahrtest für Senioren. ”Senioren sind die unauffälligste Gruppe bei der Verkehrsunfallstatistik”, sagte Schemmer.

Die Liberalen sind empört über den Vorstoß der Grünen. „Das ist eine Zumutung“, sagt die Düsseldorfer Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) der Rheinischen Post. „Die Grünen wollen alles regulieren und jeden in eine Schublade stecken. Die meisten älteren Autofahrer hören von selbst auf, wenn es nicht mehr geht, oder besprechen dies offen im Kreis ihrer Familie.“ Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (58, CSU) lehnt einen Fahrtest für Senioren ab und will die Einschätzung der Fahrtüchtigkeit den Hausärzten überlassen.

Die Verkehrspsychologin Stephania Lanzillotta hält die Forderung der Grünen nach Stadtteilführerscheinen dagegen für eine gute Idee: “Stadtteil-Führerscheine für Senioren sind sinnvoll, da sie sich in wohnortnaher Umgebung gut auskennen. Dagegen sind unbekannte Straßen und lange Strecken für ältere Menschen mit Stress verbunden.” Der ADAC fordert unterdessen, ältere Menschen sollten besser über die Gefahren im Straßenverkehr aufgeklärt werden und bietet selbst einen FahrFitnessCheck für Senioren an.

Die Grünen sind im Bundestag 2008 schon einmal mit dem Vorschlag eines Fahrtests für Senioren gescheitert. Anfang 2012 wurde ein Fahrtest für Senioren auch im Rahmen des „Masterplans Verkehrssicherheit“ abgelehnt.

Laut Statistischem Bundesamt kam es in Deutschland 2011 zu 370 632 Unfällen, bei denen Menschen entweder verletzt oder sogar getötet wurden. Die Altersgruppe ab 65 Jahren war dabei an rund einem Zehntel dieser Unfälle beteiligt. In rund 60 Prozent der Fälle waren sie die Hauptschuldigen und bei den über 75-jährigen waren sogar drei Viertel verantwortlich für den Unfall.

Ab 2013 gilt allerdings sowieso die neue EU-Führerschein-Richtlinie und die Fahrerlaubnis ist nur noch für 15 Jahre (bzw. fünf Jahre für Lkws) gültig. Um den Führerschein zu verlängern, müssen dann Gesundheits- und Sehtests gemacht werden. Alle zehn Jahre muss dazu der Erste-Hilfe-Kurs neu aufgefrischt werden.

Die Richtlinie ist allerdings eben nur eine Richtlinie, die in Italien, Spanien oder Holland bereits umgesetzt wird. Ein verpflichtendes Gesetz ist noch in weiter Ferne und ob sich die autoverliebten Deutschen freiwillig auf eine Führerschein-Richtlinie und einen Fahrtest für Senioren einlassen werden darf bezweifelt werden.

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