Behindertensport kommt in diesem Sommer ganz groß raus. Die 14. Sommer-Paralympics in London werden als die größten Spiele in die Geschichte eingehen und die Engländer sind fest entschlossen, ihre Olympia-Party fortzusetzen. “Wer noch nie paralympischen Sport gesehen hat, den wird es vom Hocker hauen”, verspricht Sebastian Coe, Präsident des Organisationskomitees LOCOG. Ob Sportler und Sportlerinnen, die im Rollstuhl sitzen, einarmige Reiter oder “Blade Runner” Oscar Pistorius – die Hauptdarsteller der Paralympics 2012 werden dem Behindertensport mehr Aufmerksamkeit bescheren als je zuvor.

Mehr als 4200 Sportler aus 166 Ländern, darunter 16 Debütanten von Dschibuti bis zu den Komoren, werden von Mittwoch an bis zum 9. September in 503 Entscheidungen um die Medaillen kämpfen. Man rechnet schon jetzt mit rekordverdächtigen 2,5 Millionen Zuschauern und fast alle Wettbewerbe sind bereits ausverkauft. “Das werden in nahezu jeder Hinsicht die größten Spiele aller Zeiten”, erklärt Sir Philip Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC).

“14 Tage Entzugs-Erscheinungen sind vorbei. Staubt die britischen Fahnen ab und freut euch auf zwei weitere Wochen Spektakel”, verkündete der britische Premierminister David Cameron. Und tatsächlich hat man sich nicht lumpen lassen und den dreimal für den Oscar nominierten Hollywood-Regisseur Stephen Daldry (“Billy Elliot”) für die Eröffnungsfeier der Paralympics gewinnen können, der ein gewaltiges Spektakel versprochen hat. Die Details sind streng geheim, aber auch die 86jährige Königin Elizabeth II, die schon bei Olympia mit einem sportlichen Auftritt an der Seite ihres Geheimagenten James Bond überzeugte, wird wieder dabei sein und beweisen, dass auch Sport im Alter durchaus wettbewerbsfähig ist.

Ein paar Details über das Finale sind aber bereits durchgesickert. Rihanna (24), R&B Sängerin aus Barbados, wird dann gemeinsam mit der britischen Popband Coldplay auf der Abschlussfeier der Paralympics am 9. September in London auf der Bühne stehen. Wie die britische Tageszeitung “Daily Star” berichtet, soll Rihanna erst zwei eigene Songs singen bevor sie dann mit Coldplay-Frontmann Chris Martin (35) im Duett “Princess of China” singen wird.

Die Entstehung der Paralympics

Die Paralympics kehren 2012 an den Ort ihrer Entstehung zurück. Die Spiele für den Behindertensport wurden von dem Deutschen Ludwig Guttman in London begründet. Guttman, ein jüdischer Neurologe, war 1939 vor den Nazis nach England geflohen und begann dort mit Kriegsveteranen zu arbeiten. “Sie waren jung und ihnen war langweilig,” sagte der 79jährige Guttman diese Woche in London. “Sie wollten nicht den ganzen Tag im Krankenhaus rumsitzen.” 1948 veranstaltete Guttmann aus therapeutischen Gründen erstmals die “Stoke Mandeville Games” mit 16 Teilnehmern in Rollstühlen. 1960 fanden dann nach den Olympischen Spielen Rom erstmals die ersten Paralympics mit 400 Teilnehmern aus 23 Ländern statt. Die BBC drehte über das Leben von Ludwig Guttmann das wenig beachtete Doku-Drama “The Best of Men” (Foto oben: Eddie Marsan als Dr Guttmann, Rob Brydon als Sgt Wynn Bowen), das am 16. August 2012 zum ersten mal ausgestrahlt wurde. Von einer Ausstrahlung in Deutschland ist bisher nichts bekannt.

Neue Prämien für Paralympics-Medaillen
Deutschland schickt 150 Athleten nach London und die Medaillenpämien für Athletinnen und Athleten des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) bei den Paralympics sind auf 7.500 Euro (für Gold, bisher 4.500), 5.000 Euro (für Silber, bisher 3.000) und 3.000 Euro (für Bronze, bisher 1.500) angehoben worden. Die neue Staffelung wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz der Deutschen Sporthilfe in Frankfurt am Main bekanntgegeben. „Diese erfreuliche Anhebung ist eine Wertschätzung der sportlichen Leistungen aller Menschen mit Behinderung“, sagte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher.

Eindrücke von den Paralympischen Spielen 2008 & 2010

– Peking 2008
– Vancouver 2010