Pflegeheime im Ausland
Immer mehr Senioren und Pflegebedürftige interessieren sich für Pflegeheime im Ausland. Die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes haben erneut deutlich gemacht, dass sich viele Menschen in Deutschland kein Alten- oder Pflegeheim mehr leisten können. So scheinen Pflegeheime im Ausland eine Alternative zu sein, die durchaus eine Überlegung wert ist. Schon jetzt leben zahlreiche deutsche Senioren aus Kostengründen in Altenheimen im Ausland. Viele zieht es nach Osteuropa, ins sonnige Spanien oder gar nach Thailand. In diesen Ländern kann die Pflege deutlich günstiger geleistet werden als in der Bundesrepublik – vor allem natürlich durch die deutlich niedrigeren Arbeitskosten.

In der Pflegebranche wird zunehmend diskutiert, ob die deutsche Pflegeversicherung künftig auch mit Pflegeheimen im Ausland kooperieren könnte. Für Rehakliniken existieren solche Verträge bereits und sowohl die AOK als auch die Barmer BEK signalisierten bereits, auch für Modelle offen zu sein, bei denen Deutsche in Pflegeheimen im Ausland versorgt würden. Aktuell verhindert die Gesetzgebung diese Art von direkten Verträge von Pflegekassen mit Pflegeheimen im Ausland, aber der Trend ist nicht zu übersehen.

Flucht in Pflegeheime im Ausland
Diverse Sozialversicherungsexperten bezeichnen die Versorgung von Pflegebedürftigen im Ausland bereits als eine ernst zu nehmende Alternative zu den Versuchen, Pflegekräfte aus Osteuropa oder Asien nach Deutschland zu importieren. “Angesichts des drohenden Pflegenotstandes ist es angebracht, über alternative Versorgungsformen zumindest nachzudenken”, sagt der CDU/CSU-Bundestagsabgeordnete und Pflegespezialist Willi Zylajew. Vor allem Spanien sei angesichts seiner Wirtschaftskrise ein logischer Partner, um deutsche Pflegebedürftige aufzunehmen, gäbe es entsprechende Strukturen vor Ort, sagt Günter Danner, Lobbyist der deutschen Sozialversicherung in Brüssel. “Viele Menschen in Sozialberufen mit EU-weit anerkannten Abschlüssen bekommen dort einfach keine Jobs mehr.”

Pflegebedürftige dort zu versorgen, wo die Pfleger sind, erscheine als sinnvolle Alternative dazu, die Fachkräfte zu importieren – natürlich nur, wenn die Betroffenen dies wollten. Auch die Tagesthemen berichteten am Wochenende über die Möglichkeiten und die Realitäten von Pflegeheimen im Ausland (siehe unten). Ganz so rosig scheint es dort allerdings auch wieder nicht zuzugehen.

Wenn in den Führungsetagen der Kranken-und Pflegeversicherung darüber nachgedacht wird, die sehr niedrigen Löhne, welche die Alten-und Krankenpflege vor allem in Osteuropa so preiswert macht, in noch größerem Stil zu nutzen, ist Vorsicht angebracht. Im rechtlichen Graubereich werden schon lange Pflegekräfte aus dem Ausland beschäftigt und um diese in die Legalität zu überführen, müssten die Gesetze geändert werden. Man darf vermuten, dass die ausländischen Pflegekräfte dann auch Anspruch auf den gleichen Lohn wie ihre deutschen Kollegen haben würden. Daran scheint aber kein Interesse zu bestehen und wer in den Pflegeberufen arbeitet kann sich auch in Deutschland sowieso schon über zu wenig Geld beklagen. Neue Ideen, wie das Alten-und Pflegesystem in Deutschland generell weniger kostenintensiv gestaltet werden könnte, scheint es in den Chefetagen keine zu geben.

Pflegeheime im Ausland – Beitrag der Tagesthemen vom 28.10.2012

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