Pflegeheime im Ausland
Der aktuelle Kommentar von Heribert Prantl zum Thema Pflegeheime im Ausland ist ein Volltreffer vor den Bug derjenigen, die pflegebedürftige Menschen aus Kostengründen möglichst bald in andere Länder exportieren möchten. Wenn das journalistische Schwergewicht der Süddeutschen einen Kommentar schreibt und dazu auch noch ein Video dreht, sollte man auf der Regierungsbank vielleicht besser sowieso schnell in Deckung gehen. “Ein Ruck der Beschämung sollte durch Deutschland gehen,” befindet Prantl voller Zorn und schreibt weiter: “Die Zwangs-Entsorgung der Alten wäre ein Akt der Verrohung der Gesellschaft. Ein Gemeinwesen, das solches plant, ist kein Gemeinwesen, sondern nur noch gemein.”

Pflegeheime im Ausland – Auszug aus einem Kommentar von Heribert Prantl:
“Weil Deutschland so versiert im Exportieren ist, schafft es sich auch Probleme durch Export vom Hals: Müll wird exportiert. Atommüll, alte Arzneimittel, Batterien und Essensreste landen, legal oder illegal, dort, wo Entsorgung billiger ist; grenzüberschreitende Abfallverbringung nennt man das. Export ist ein Denk-, Handlungs- und Lösungsprinzip.

So kommt es wohl, dass nun auch pflegebedürftige Menschen exportiert werden sollen; man kann das grenzüberschreitende Altenverbringung nennen. Pflegeheime in Thailand, Spanien oder Osteuropa sind billiger als deutsche Pflegeheime. Kranken- und Pflegekassen zeigen sich daher interessiert am Greisen-Export; der Unions-Pflegeexperte Willi Zylajew sieht darin ein alternatives Pflegemodell.

Gerontologischer Kolonialismus
Sollen künftig auch Kinder exportiert werden, wenn die Kindergärten hierzulande zu teuer werden? Der gerontologische Kolonialismus klingt wie ein Stück aus dem Tollhaus, ist aber Realität. Sogenannte Träger erwägen, Pflegeverträge mit Heimen im Ausland zu schließen; zum Teil wird das Auslandsheim als Geschäftsmodell schon betrieben.

Pflege in Deutschland ist angeblich zu teuer; immer mehr alte Menschen können sie sich nicht mehr leisten; Staat und Pflegekassen wollen sie nicht mehr leisten. Immer mehr Pflegebedürftige müssen “Hilfe zur Pflege” beantragen. Und die Kinder der Alten fürchten, dass die Sozialkasse dann auf sie zurückgreift, um diese Sozialhilfe wieder einzutreiben. Das ist die Gemengelage, in der die verrückte Idee vom Greisen-Export entstanden ist.”

Pflegeheime im Ausland – Die verrückte Idee vom Greisen-ExportLesen Sie den kompletten Kommentar auf Süddeutsche.de.

Video von Heribert Prantl: Pflegeheime im Ausland – Wenn man sich Pflege nicht mehr leisten kann

Die Gesetzeslage zum Thema Pflege ist unzureichend, ebenso wie die Konzeption der Pflegeversicherung. Die Politik kratzt nur an der Oberfläche der Probleme. Die Forderung: Es muss völlig neu gedacht werden.

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