Pflege in Bremen
Die Bilder einer alten Dame, die von ihrer Pflegerin misshandelt wird, haben gestern in Bremen die Sitzung der Deputation für Kinder, Jugend und Soziales bestimmt. Ein Einzelfall oder kein Einzelfall?

Der Fall hatte im kleinsten Bundesland für viel Aufsehen gesorgt und so stand Martin Stöver, Chef der Heimaufsicht in der Sozialbehörde, den Mitgliedern der Sozialdeputation Rede und Antwort zu dem jüngst bekannt gewordenen Vorfall von Misshandlung einer alten Dame durch eine Pflegerin sowie zu den Kontroll- und Eingriffsmöglichkeiten, die seine Abteilung hat. Sein Fazit, mit dem er dem Vorwurf eines möglichen Versagens entgegentrat: “Dabei dürfen wir das Entstehen von Gewalt nicht immer auf die Strukturen schieben. Wir können nicht ausschließen, dass Menschen in dem Beruf arbeiten, die dafür nicht geeignet sind.”

Frauke Fischer schreibt im Weser Kurier: “Stöver musste aber auch zugeben: Etwa zwölf Beschwerden von Angehörigen gehen pro Woche bei den sieben Mitarbeitern in seiner Abteilung ein. Dabei geht es allerdings nicht immer um Gewaltvorwürfe, sondern häufig auch um zu wenig Personal, um nicht korrekte oder missverständliche Abrechnungen sowie um mangelhafte Essensversorgung der Heiminsassen.

Pflege in Bremen – Mehr Öffentlichkeit für Pflegebedürftige
Reinhard Leopold, der 2006 die Selbsthilfe-Initiative Heim-Mitwirkung betroffener Angehöriger und Ehrenamtlicher gründete, gehörte gestern zu den Interessenvertretern, die als Gäste zur Deputationssitzung ins Haus der Bürgerschaft gekommen waren. Seiner Meinung und Erfahrung nach hätten viele Heiminsassen und ihre Angehörigen Angst, sich über Missstände zu beschweren, weil sie weitere Repressalien fürchteten. Um die Rechte der Betroffenen zu stärken, appellierte er an mehr Zusammenarbeit untereinander. Auch sollten Selbsthilfegruppen wie die der Heim-Mitwirkung und andere Beratungsstellen als niedrigschwellige Anlaufstellen für Angehörige bekannter gemacht werden.

Ein “Netzwerk auf vertrauensvoller Basis”, das Angehörige ermutige und stärke, wünschte sich auch der Landesbehindertenbeauftragte Joachim Steinbrück. Er verwies im Zusammenhang mit dem Thema Gewalt in der Pflege auf eine Studie zur Gewalt gegen Frauen und Männer mit Behinderungen. Demnach seien besonders Frauen mit Behinderungen “einem hohen Maß an Gewalt ausgesetzt”, so Steinbrück. Er regte eine Fachveranstaltung zur Gewalt in der Pflege an.

Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) hält Öffentlichkeit für ein gutes Mittel, Gewalt in der Pflege zu begegnen.”

Lesen Sie den gesamten Artikel zur Pflege in Bremen im Weser Kurier.

Ambulante Pflegedienste in Bremen finden