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Das Sozialwerk Berlin

Das Altenselbsthilfe-und Beratungszentrum des Sozialwerks Berlin e.V. ist das erste in der Bundesrepublik Deutschland, das in voller Verantwortung der betroffenen älteren Menschen steht und von ihnen ehrenamtlich betrieben wird. Es steht unter dem Motto "Ältere Menschen helfen anderen älteren Menschen". Vor vier Jahren begrüßte das Sozialwerk seinen 1-Millionsten Besucher. Gesellige Zusammenkünfte, gemeinschaftsbildende Veranstaltungen, Interessenkreise und ein Besuchsdienst für Pflegeeinrichtungen machen das Leben der Senioren in Berlin seit mehr als 40 Jahren lebenswerter. In unserer großen Reportage zum 40. Jubiläum des Sozialwerks Berlin bekommen Sie einen interessanten Einblick in diese beispielhafte Institution.

Sozialwerk Berlin e. V. - Hintergründe
Kompetenzzentrum "Offene Altenarbeit"
Der Besuchsdienst in Pflegeeinrichtungen
Die Ambulante Rehabilitation
Das Modellprojekt: "Ältere Menschen ermitteln selbst die Situation in stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen"
Interview mit Käte Tresenreuter und Peter Stawenow

Interview mit Käte Tresenreuter und Peter Stawenow

Sozialwerk Berlin 6Käte Tresenreuter ist die Initiatorin des Sozialwerks Berlin. Schon oft wurde sie als "First Lady der Altenhilfe von Berlin" bezeichnet. In diesem Interview spricht Sie gemeinsam mit Peter Stawenow, dem Leiter des Kompetenzzentrums Offene Altenarbeit Berlin, über die Entstehung des Sozialwerks, Ehrenamtlichkeit und offene Altenarbeit.

Frau Tresenreuter, was ist das Sozialwerk Berlin?

Tresenreuter: Das Sozialwerk Berlin ist eine Gemeinschaft älterer Menschen. Es ist vor 40 Jahren unter dem Motto "Ältere Menschen helfen anderen älteren Menschen" von meinem Mann und mir gegründet worden. Daraus wurde dann vom Senat übernommen: "Alte helfen Alten". Aber ich wehre mich dagegen. Es gibt junge Menschen, es gibt behinderte Menschen, es gibt kranke, gesunde Menschen und es gibt ältere Menschen. Wir sind die älteren Menschen. Wir gehören zu der Gemeinschaft Mensch. Da lege ich ganz großen Wert drauf. Ich bin ein älterer Mensch und habe meinen Platz in der Gesellschaft wie alle anderen Menschen auch.

Wie sind Sie dazu gekommen, das Sozialwerk zu gründen?

Tresenreuter: Ich war ein dreiviertel Jahr im Krankenhaus und habe dort sehr viel seelische Not und Einsamkeit älterer Menschen kennengelernt. Das war 1957. Da habe ich mir vorgenommen, wenn ich einigermaßen gesund werde, werde ich etwas tun.

Dann bin ich zu unserer Kirchengemeinde gegangen. Ich habe mich erkundigt, ob ich dort helfen kann. Ich habe mit unserem Pfarrer gesprochen, denn ich wollte einen Kreis und Besuchsdienste für ältere Menschen anbieten. Er stimmte zu und bald waren wir der erste Seniorenclub einer evangelischen Kirchengemeinde in Berlin. Regelmäßige Treffen, Busreisen und ein Basar wurden zudem wochenweise organisiert.

Das haben Sie alles ehrenamtlich organisiert?

Tresenreuter: Ja. Ich hatte große Schwierigkeiten mit den Hauptamtlichen, denn vor etwa 50 Jahren durfte man als Ehrenamtliche Tische decken, abwaschen und sammeln. Das war aber auch alles. Eine selbständige Arbeit als Gruppenleitung, das war unmöglich damals. Ich hätte wahrscheinlich kein eigenes Sozialwerk aufgebaut, wenn ich dort in der Kirchengemeinde hätte mehr tun können. Aber ich habe mich durchgesetzt und das war der Anfang von einem großen Seniorenclub.

Wer hat Sie dabei unterstützt, ein Haus für ältere Menschen zu errichten?

Tresenreuter: Der offizielle Beginn war, dass ich das erste Bundesverdienstkreuz von Ministerpräsident Scheel für richtungsweisende Altenarbeit bekommen habe. Beim Empfang wurde ich vom Bundespräsidenten gefragt: "Warum haben Sie als Ehrenamtliche das Bundesverdienstkreuz bekommen"

Ich habe geantwortet, dass ich als Nächstes ein Selbsthilfezentrum für ältere Menschen errichte, da die Tagesstätten nur von Montag bis Freitag und dann nur Nachmittags offen haben. "Darüber können wir mal reden", sagte der Bundespräsident. "Ich habe alle Unterlagen dabei", antwortete ich ihm. Ich bekam eine Empfehlung an das zuständige Bundesministerium. Dort bekam ich die Aussicht auf finanzielle Hilfe.

Sie bekamen dann die Unterstützung durch die Politik?

Tresenreuter: Der erste Antrag wurde abgelehnt, ohne Begründung. Damals war Herr Diepgen der amtierende Bürgermeister. Ich war bei ihm, habe ihm das Vorhaben vorgestellt und er sagte: "Warum wollen Sie etwas Großes bauen, Frau Tresenreuter" Ich sagte: "Ich möchte etwas Großes bauen, damit ich es hinsetzen kann, wo es gebraucht wird. Einen Laden an der Ecke hätte ich mir immer schon mieten können." Das hat er mir immer wieder vorgehalten.

Dann habe ich innerhalb von sechs Wochen einen neuen Antrag gestellt und damit zum Abgeordnetenhaus gegangen. Ich habe mir jeden einzelnen Abgeordneten herausgebeten und ihn gefragt, ob er dagegen ist, dass wir ein Zentrum bauen. Keiner war ausdrücklich dagegen. Das Ergebnis war, dass es genehmigt wurde.

Stawenow: Gegen viel, viel Widerstand und Vorbehalten hat Frau Tresenreuter es dann erreicht, die Finanzierung für das geplante Haus sicherzustellen. Es war das erste in Deutschland, dieses Altenselbsthilfezentrum. Damit ist defacto wahr geworden, dass ältere Menschen das Haus geplant haben, Finanzierung sicher gestellt haben und das Haus betreiben, und zwar in jeder Tätigkeit durch ehrenamtliche Menschen.

Wer hat das Haus geplant?

Stawenow: Frau Tresenreuter hat alles geplant, vom Teppich bis zum Handlauf und Fahrstuhl. Und einen Satz hat sie auch dem Architekten und den Bauleuten mit auf den Weg gegeben: "Wir haben das Geld organisiert und zusammengesammelt, also bestimmen wir auch, was gebaut wird und Sie setzen sich hier kein Denkmal."

Tresenreuter: Das hat mir der Architekt sehr übel genommen. Er hatte alles in Weiß geplant und ich habe ihm gesagt, was ich gegen die Farbe Weiß habe. Nachher wurde alles genau nach meinen Vorstellungen gemacht.

Als wir den ersten Spatenstrich gemacht haben, haben wir den Journalistenverband auch eingeladen. Diese haben dann geschrieben, dass ältere Menschen den ersten Spatenstich gemacht haben und waren davon begeistert. Deshalb bekamen wir 1983 den Erlös des Presseballs, aber mit der Auflage, nur Sachen der Kommunikation anzuschaffen. Und wir mussten uns verpflichten, fünf Jahre lang eine Berliner Tageszeitung zu erhalten. Ich habe gesagt: "Okay, alles außer Bild und BZ." Ich habe eben immer klar gesagt, was ich wollte.

Als das Haus fertig war, kamen die Offiziellen an und haben gefragt: Wo ist denn hier die Team-Leitung? Ich konnte mit nichts aufwarten.

Stawenow: Bei einer MDK Prüfung wären wir also durchgefallen, weil sie bei diesem Punkt keinen Haken machen können. Aber im nächsten Jahr bestehen wir hier 30 Jahre.

Welche ersten Aktivitäten haben Sie und der neugegründete Verein unternommen?

Tresenreuter: Wir wussten, dass es für ältere Menschen wenig Kontakte nach Außen gab. Deshalb haben wir einen Besuchsdienst in Alten- und Pflegeheimen aufgebaut. Das war der erste organisierte Besuchsdienst eines Vereins in Berlin nach dem Krieg.

Und natürlich war das auch etwas schwierig, weil viele misstrauisch waren, was man da kontrollieren wollte. Die meisten meinten: "Ach, bei uns ist doch alles wunderbar." Aber eine Heimleiterin sagte: "Sie können doch mal kommen!"

Wir haben alles mitgebracht: Den Kuchen und die Blumen, Tischdecken, Servietten und für die Heimleitung einen Blumenstrauß, wie es sich so gehört. Wir haben sie so erobert.

Als andere Heime davon hörten, hatten wir plötzlich 50 Heime, die wir mit 75 Mitarbeitern besuchten. Es waren auch teilweise ehemalige Krankenschwestern und Sozialarbeiter, die sich auskannten.

Welche Lage fanden Sie in den Heimen vor?

Tresenreuter: Was mich ganz besonders störte, waren weiße Wände, weiße Betten, weiße Schwestern. Heute bin ich ganz krass und sage: Weiß ist für mich die Farbe des Todes. Das ist das Ende. Also haben wir angefangen Gardienen mitzubringen, Tischdecken, Vasen, denn ich habe versucht in den Heimen eine Atmosphäre zu schaffen. Das war sehr mühselig.

Stawenow: Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse in Heimen haben wir später auch die Koordinierungsstellen für "Ambulante Soziale Rehabilitation" aufgebaut.

Was genau bedeutet "Ambulante Soziale Rehabilitation"?

Stawenow: Das bedeutet, dass ältere Menschen in Heimen sind, die eigentlich nicht in die Heime gehören. Diese Menschen können mit Hilfe von ambulanter sozialer Rehabilitätat in ihrem normalen Wohnumfeld leben und hätten nicht ins Heim gemusst. Oftmals sind sie aber, wenn sie in ein Krankenhaus gekommen sind, vom Krankenhaus direkt in die Pflegeeinrichtung geschickt worden. Durch die Besuchsdienste und die Gespräche mit den Bewohnern hat man festgestellt, dass es diesen Menschen mit Anpassungen im Wohnraum und mit Hilfestellung zuhause besser gehen würde. Vor 25 Jahren haben wir die erste Koordinierungsstelle für Ambulante Soziale Rehabilitation ins Leben gerufen.

Diese Koordinierungsstellen sind dann in allen Berliner Bezirken aufgebaut worden. Daraus haben sich später die Koordinierungsstellen "Rund ums Alter" entwickelt. Dann gab es vor drei Jahren von der Bundesregierung die Einrichtung von Pflegestützpunkten. Da hat das Land Berlin gesagt, wir haben diese Art von Koordinierungsstellen und diese bauen wir in das Netz ein. So ist das über 20 Jahre lang gewachsen.

Tresenreuter: Aber ich habe mich gleich gewehrt. Pflegestützpunkt ist nicht der richtige Name. Niemand wird dort gepflegt. Sie werden dort beraten. Es fehlt das Wort Beratung. Wir waren sogar vor dem Senat und haben alles versucht, aber die Bundesregierung hat das abgelehnt. Nun gibt es viel Ärger. Ich versuche das aber weiter.

Stawenow: Da kämpfen wir weiter.

Tresenreuter: Natürlich machen wir das.

Stawenow: Daran sehen sie auch den Vorzug des Sozialwerkes und unseres Hauses, weil man hier mitbekommt, was die Menschen erleben. Daraus schlussfolgern wir, was sich verändern muss. Das Sozialwerk hat immer - vor allem auch durch die Person von Frau Tresenreuter - in den verschiedensten Gremien mitgearbeitet, um etwas zu verändern.

Frau Tresenreuter, wofür wurde Ihnen das zweite Bundesverdienstkreuz verliehen?

Tresenreuter: Das zweite Bundesverdienstkreuz habe ich für den Bau und das Schaffen dieses Hauses erhalten.

Stawenow: Plötzlich war die Möglichkeit gegeben, nicht mehr nur mit Besuchsdiensten in Pflegeeinrichtungen zu gehen, sondern mit dem Haus hatte man plötzlich ganz neue Möglichkeiten. Wir konnten offen für alle sein und ältere Menschen, auch Heimbewohner, hierher holen. So haben sich gute Kontakte aufgebaut und aus Sicht des Menschen konnten Problemfragen gelöst werden.

Tresenreuter: Ich bin stolz darauf, dass wir die Koordinierungsstellen aufgebaut haben, dass wir den Besuchsdienst eingeführt haben und grundsätzlich viel erreicht haben, wie zum Bespiel Therapeuten und die psychologischen und soziologischen Ausbildung der Schwestern. Damals gab es zwar mehr Pflegepersonal, aber Therapiemaßnahmen gab es nicht. Das haben wir erst angefangen. Wir haben die Basis für die Altenarbeit in Berlin gelegt. Ich werde deshalb manchmal als die "First Lady der Altenarbeit" angesprochen.

Erreichen konnten wir soviel, weil ich immer gekämpft habe, immer sehr überzeugend war und sehr viele Kontakte zu älteren Menschen hatte. Aber alle meine Auszeichnungen habe ich immer für meine Mitarbeiter und mich in Empfang genommen.

Welche weiteren Maßnahmen gibt es im Sozialwerk, um die Stellung des älteren Menschen in der Gesellschaft zu verbessern?

Tresenreuter: Ich habe von Anfang Wochenseminare zu bestimmten Themen für den Besuchsdienst angeboten. Bis heute habe ich 83 Seminare zu aktuellen Themen gehalten. Das sind zum Beispiel unsere Seminare zur offenen Altenarbeit. Anfänglich war der Schwerpunkt das Thema Ehrenamtlichkeit, gerade für Ausländer ein neues Konzept. Es ist ja so, gerade in den Ostblockstaaten war die Ehrenamtlichkeit verordnet. Wir sprechen hier von der freiwilligen Ehrenamtlichkeit und von Selbsthilfe.

Und ich habe alle Verantwortlichen, wie die Senatoren und Parteien eingeladen. Wir waren immer neutral und darum auch interessant. Unsere Themen waren nie parteipolitisch. Deshalb waren wir sehr beliebt.

Wie organisieren Sie Ihr Haus heute?

Tresenreuter: Unser Motto ist es: Mitglied gleich Mitarbeiter und so sollen sich alle für das Sozialwerk gleich verantwortlich fühlen. Das wird von vornherein eingeprägt. Wir haben für jede Position einen verantwortlichen Leiter und einen Stellvertreter. Diese dürfen auch mal krank sein oder verreisen, aber ihre Position bleibt immer für sie frei, damit sie auch das Ziel haben, immer wieder hier her zu kommen. Es gab einige, die waren ganz schwer krank und die haben es geschafft, wieder her zu kommen. Es ist die Gemeinschaft, die die Menschen anzieht.

Wir sind hier in diesem Hause die Vorreiter der Selbsthilfe. Wir beweisen, was möglich ist. Hier ist immer unheimlich viel los im Haus. Durchschnittlich haben wir jeden Tag 80 bis 100 Personen hier. Und am Wochenende, wenn etwas los ist, sogar noch mehr. Vor allem unsere Kreise haben eine große Gemeinschaft. Diese Mitglieder treffen sich auch außerhalb, gehen zusammen ins Kino oder ins Theater und verreisen sogar zusammen. Die älteren Menschen haben so ständig Kontakte.

Stawenow: Da sind dann auch die ganzen Interessengruppen und Zirkel entstanden. Und diese Interessengruppen entwickeln sich ja auch entsprechend der Bedürfnisse der Menschen. So entwickelte sich zum Beispiel aus dem Singekreis der Schlösschen-Chor.

Die Schlösschenpost berichtet über Seminare, über unserer Gartenfeste und bietet aktuelle Informationen. Die Schlösschenpost wird auch ehrenamtlich gemacht. Unser Redakteur ist 75.

Hier im Haus herrscht eine Atmosphäre, in der die älteren Menschen das Gefühl haben, noch gebraucht zu werden und spüren, dass sie mit dem, was sie tun, anderen Menschen Freude bereiten.

Und die Leiter der Gruppe sind dafür verantwortlich, dass sie sich immer nach den Mitgliedern erkundigen. Wenn jemand fehlt, wird derjenige angerufen oder besucht.

Wer darf Ihr Haus besuchen?

Tresenreuter: Natürlich jeder. Vor vier Jahren hatten wir hier schon eine Million Besucher.

Auch Pflegeheimbewohner kommen zu den kulturellen Veranstaltungen zu uns. Sie werden zu Gartenfesten, zur Dampferfahrt und zur Weihnachtsfeier eingeladen. Letztes Jahr hatten wir an sechs Tagen Weihnachtsfeier und es kamen 1.080 Bewohner aus Pflegeheimen. Das ist das Schönste. Denn gerade zu Weihnachten sind die Menschen einsam. Was man da an Dank hört, das entschädigt für alle Mühen, Arbeit und Verantwortung.

Auch zum Kegeln kommen die Bewohner aus fünf Heimen. Die Kegelbahn in unserem Keller ist behindertengerecht. Wir unterstützen Heime auch in anderen Belangen.

Ein Staatssekretär war neulich bei uns und er fragte: Wie schaffen Sie es, so viele Menschen anzusprechen? Da antwortete ich ihm: Ich kenne drei Zauberworte bitten, danken und anerkennen. Als ich ihn wiedertraf, sagte er, er hat seitdem öfter überlegt: Muss ich in diesen Falle bitten, danken oder anerkennen?

Ich sage das vielen Menschen. Gerade bei älteren Menschen ist es so: Für eine Bitte oder Anerkennung tut er sehr viel. Geld ist nicht immer entscheidend.

Wer ist im Sozialwerk engagiert?

Tresenreuter: Wir haben bis Mitte 90 aktive, ehrenamtliche Mitarbeiter. Ab 60 ist bei uns jugendlich.

Stawenow: Es gibt aber auch schon Enkel und Familienmitglieder, die sich bei uns engagieren. Um diesen generationsübergreifenden Charakter Rechnung zu tragen, ist es so, dass dann viele Auszubildende, Schulklassen und solche, die einen sozialen Beruf erlernen, herkommen und Herr Tresenreuter als Zeitzeuge in die Schulen geht.

Tresenreuter: Meine Tochter ist Lehrerin für Ethik und sie kommt auch mit ihrer Klasse zu uns ins Haus, um mit den älteren Diskussionen zu führen.

Stawenow: Da entsteht dann ein ganz anderes Bild, Respekt und Achtung dafür, was hier mit Begeisterung gemacht wird. Wir helfen, soziale Wertvorstellungen mit zu entwickeln und zu fördern.

Ihr Haus ist mittlerweile auch international bekannt, ist das richtig?

Tresenreuter:Ich habe aus allen Ländern Besuche gehabt, zum Beispiel aus Russland, den USA und Japan. Diese Gruppen kommen nach Deutschland und wollen Einrichtungen für ältere Menschen kennenlernen. Es werden diesen Gruppen vom Bundesministerium oder vom Berliner Senat empfohlen.

Die letzte Gruppe aus Japan kam kurz vor dem furchtbaren Unglück in Japan. Selbsthilfe kannten sie überhaupt nicht. Sie kannten nur ehrenamtliche Arbeit und Betreuung. Sie haben es dann in ihrem Land ausprobiert und es funktioniert. Diese Selbsthilfe muss man Menschen erst beibringen. Man will die älteren Menschen nur betreuen, aber Selbsthilfe ist eine ganz neue Bewegung.

Der schönste Besuch war ein Australier, der ein Gemeindeszentrum aufgebaut hat und der mir danach schrieb: Er hat Europa bereist, um mehr über Altenarbeit zu erfahren und in unserem Haus hat der das Schönste gefunden, was er für ältere Menschen gesehen hat.

Wir haben in Tallinn in Estland nach unserem Vorbild in der Nachwendezeit ein Zentrum gebaut wurde. Estland ist ein relativ kleines Land, aber bis heute haben sie dort 100 Begegnungsstätten für ältere Menschen erbaut. Das wurde initiiert, nachdem man das Haus hier besucht hat und wir haben dort bei der Anstoßfinanzierung soweit wir konnten geholfen. Für meine Arbeit habe ich von Estland einen Orden bekommen, weil ich auch mit den Zuständigen der Regierung vor Ort verhandelt habe.

Was motiviert Sie Tag für Tag, sich so einzusetzen?

Tresenreuter: Die Worte, die ich bekommen habe, das kann man nicht beschreiben, ich rede auch wenig drüber, aber ich habe sehr vielen Menschen geholfen. Und das kann man als Erfüllung ansehen. Ich habe auch sehr viele junge Menschen hier, die in der Ausbildung sind oder studieren, Altenpfleger, Sozialarbeiter oder Krankenschwestern und diese kommen her und lernen den aktiven älteren Menschen kennen. Normalerweise lernen sie ja nur den kranken älteren Menschen kennen.

Wenn sie sich beklagen, dass sie keine Zeit für die Menschen haben, gebe ich ihnen immer auf den Weg: "Ein gutes Wort und eine zärtliche Geste kostet keine Zeit. Das können Sie ganz nebenbei machen." Ich kann auch nicht immer mit jedem lange sprechen, aber die Hand zu geben und ihn einfach kurz streichle, das ist etwas. Das kann jeder.

Sie haben auch selbst Befragungen in Heimen durchgeführt. Wie genau sind Sie da vorgegangen?

Stawenow: Es gab ja die Diskussion mit der Benotung der Pflegeeinrichtungen. Wir haben gesagt: Es ist doch völlig egal, wie der MDK die Einrichtung benotet. Entscheidend ist doch der Mensch und wie er sich im Heim fühlt. Wir haben dann gefragt: Kann man nicht eine Befragung durch ältere Menschen selber machen, die sich mit den Bewohnern unterhalten, um dann herauszubekommen, was ist ihnen wichtig, wo fühlen sie sich wohl Das ist ganz anders als wenn ein Wissenschaftler kommt oder ein Mitarbeiter des MDK, seine Fragen stellt und nur nach Äußerlichkeiten geht. Ältere Menschen haben mehr Verständnis, denn sie wissen, wie sich das Leben in diesem Alter anfühlt. Daraus sind auch unsere zehn Forderungen entstanden. Wir sind dabei, diese Benotungssysteme zu verändern. Wir sind da beim Paritätischen bis hin in die Bundesregierung involviert.

Eine kleine Episode aus dem Modellprojekt: Für die Befragung haben die älteren Menschen selber den Fragebogen entworfen, also keine Wissenschaftler und haben auch das Gespräch geführt. Eine Bewohnerin sagte dann zu einer unserer Mitarbeiterin: "Naja, Frau Pickert, wenn es jetzt bei der Beantwortung der Fragen ein bisschen durcheinander gegangen ist, dann haben Sie doch sicherlich Verständnis dafür, denn ich bin nun schon 85 Jahre alt." Da sagte dann unsere Mitarbeiterin: "Ja, ich hab da Verständnis dafür, denn ich bin schon 91."

Nachdem die Heimgesetzgebung auf Länderebene übertragen wurde, haben wir mit unserem Modellprojekt viele Hinweise mitgeben, die auch im Gesetz verankert wurden. Zum Beispiel im Paragraph 8 des Wohnteilhabegesetzes, wo drin steht, dass bei der Evaluation der Pflegeeinrichtung ehrenamtliche, ältere Menschen auch mit zu berücksichtigen sind. Also ist das, was wir bis in die Politik gebracht haben, auch umgesetzt worden.

Aus unserem "Kompetenznetz für das Alter" sind verschiedene Arbeitskreise entstanden, die sich mit dem Wohnen im Alter beschäftigt haben, denn Wohnen hat einen großen Stellenwert. Mobilität spielt da auch eine große Rolle. Es gibt nichts Schlimmeres als den ganzen Tag nur zuhause zu sitzen und zu warten, dass der Tag herum geht. Oft ist es so, dass man nicht an gesellschaftlichen Dingen teilnehmen kann, weil die Mobilität nicht gegeben ist. Mobilitätshilfsdienste, Besuchsdienste und Begleitdienste spielen eine ganz große Rolle. Es gibt ein flächendeckendes Netz an Mobilitätshilfediensten, die bei verschiedenen Trägern angesiedelt sind und das soll jetzt auch wieder beschnitten werden. Wenn diese Mobilitätshilfen wegfallen, dann wird wieder zur Vereinsamung älterer Menschen beigetragen und dann nutzt das beste Informationsangebot nichts.

Wofür wir uns auch immer einsetzen ist, dass solche Begegnungsstätten wie diese hier auch fußläufig erreichbar sind. Es sollte besser ein flächendeckendes Netz in Berlin geben, wo man sich gegenseitig abholen kann, um aus dieser Einsamkeit herauszukommen oder sie zu vermeiden. So wird das Gedächtnis angeregt, neue Dinge werden ausprobiert, das Selbstwertgefühl wird gestärkt, denn man zieht sich schick an, wenn man zum Essen geht, man starrt nicht die Decke an und ist nicht alleine zuhause.

Was fordern Sie von den Entscheidern?

Tresenreuter: Dass der ältere Mensch in alle Schritte der Planung seiner Lebenssituation einbezogen wird. Das ist meine klare Antwort darauf.

Wie ist es für die Zukunft? Was wünschen Sie sich?

Tresenreuter: Der Stellenwert des älteren Menschen in der Gesellschaft muss verbessert werden, das ist meine Hauptforderung. Der ältere Mensch soll für sich selbst entscheiden, die Selbsthilfe soll also gestärkt und gesellschaftlich akzeptiert werden. Und die Ehrenamtlichen sollen als Partner akzeptiert werden. Man muss hier Denkprozesse verändern.

Man sagt immer, Adenauer hat noch mit 90 etwas Besonderes aufgebaut und ich versuche das auch zu schaffen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

 

Zum 40-jährigen Jubiläum ein Gedicht eines Mitgliedes

Ein Schlösschen steht im Grunewald.
Das ist noch gar nicht mal so alt.
Doch, was drin passiert, das ist ne Wucht,
für den, der Lebensfreude sucht.

In diesem wunderschönen Haus
gehen die Senioren ein und aus.
Für jeden ist etwas dabei.
Ob Chorgesang, ob Malerei!

Bastelkreis und Kartenspiele,
sowie Kegeln gibt es hier,
und die hübsch gestickten Decken
sind für jeden Tisch ne Zier.

Damen- und auch Herrenrunden
bereiten froh erbauliche Stunden,
und zu ihrer Bewegungslehre
gibt Frau Fischer sich die Ehre.

Wissenswertes erfährt man im Arbeitskreis Kultur,
Wanderungen führen in Berlins schöne Natur.
Gedächtnistraining, Yoga und Sport
Setzen die Angebotspalette fort.

Man kann im Schlösschen Englisch lernen
Mit der Reisegruppe erkunden die Fernen.
Der Besuchsdienst hat den
älteren Menschen schon soviel Freude gebracht
und mit dem Schlösschen-Chor wird
fröhlich gesungen und bei den Sketschen gelacht.

Regie im Haus führt Frau Tresenreuter,
und sie hat Berlins beste Mitarbeiter.
Wir alle sagen von Herzen Dank
für ihr unermüdliches Engagement
dies nun schon 40 Jahre lang.

Inge Neureither

Kontakt

Sozialwerk Berlin e.V.
Altenselbsthilfe- und Beratungszentrum
Humboldtstraße 12
14193 Berlin

Tel.: (030) 8911051/52
Fax: (030) 892 6008
Email:
Vorsitzende: Käte Tresenreuter

Geöffnet: Täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen!

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