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Alterszahnheilkunde und Prophylaxe: Wie sollte die Versorgung von Senioren heute und in Zukunft aussehen?

Der Arbeitskreis Alterszahnheilkunde und Behindertenbehandlung Baden-Württemberg trägt durch sein zahnärztliches Betreuungskonzept zur Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen bei. Der Vorsitzende dieses Arbeitskreises, der Ulmer Zahnarzt Dr. Elmar Ludwig, spricht in diesem Interview über die Bedeutung und Entwicklung von dentaler Prophylaxe im Alter.



Herr Doktor Ludwig, wie ist es dazu gekommen, dass Sie sich für Alterszahnheilkunde engagieren?

Dr. Ludwig bei einer BehandlungDr. Ludwig: Als ich im Jahr 2000 an der Universität in Ulm als Assistenzzahnarzt begonnen habe zu arbeiten, wurde in unserer Poliklinik etwa alle 4 Wochen ein pflegebedürftiger Mensch mit Schmerzen in der Mundhöhle vorgestellt. Fünf Jahre später bekamen wir fast täglich zu hören: Der Hauszahnarzt kann die Behandlung leider nicht durchführen. Da wurde mir klar, es sollte etwas geschehen.

Warum ist gute Mundhygiene im Alter heute wichtiger als je zuvor?

Dr. Ludwig: Immer mehr immer ältere Menschen haben immer mehr eigene Zähne oder Implantate ein Erfolg von 30 Jahren zahnärztlicher Prävention. Wenn aber die Zähne, die Implantate oder auch der Zahnersatz bei Pflegebedürftigkeit nicht entsprechend gepflegt werden und die zahnärztliche Betreuung aufgrund von Immobilität einschläft, dann greifen Bakterien die Zähne und den Zahnhalteapparat an. Faule Zähne und Entzündungen von Zahnfleisch oder Knochen sind nicht nur schmerzhaft, sondern sind auch Eintrittspforten für die Bakterien in den Organismus. Lungenentzündungen, Herzinfarkt und Schlaganfall können unter anderem die Folge sein. Auch ein bestehender Diabetes lässt sich unter Umständen nicht mehr gut einstellen. Mundgesundheit wirkt sich also auf die allgemeine Gesundheit aus.

Zudem ist im Alter Mangelernährung ein großes Problem. Gute und gesunde Zähne sowie eine intakte Mundschleimhaut sind wichtig für eine gute Ernährung.

Welchen Stellenwert nimmt Zahnheilkunde bei Pflegebedürftigkeit ein?

Dr. Ludwig: Im Alter und bei Pflegebedürftigkeit stehen die sogenannten Geriatrischen Giganten im Vordergrund. Instabilität (Stürze), Immobilität (Bettlägerigkeit), Inkontinenz (Verlust der Blasen- & Mastdarmkontrolle) und intellektueller Abbau (Demenz, Delirium & Depression). Im Expertenstandard Ernährung aus dem Jahr 2010 werden Aspekte der Mundgesundheit beleuchtet. Die Zahnheilkunde findet darüber hinaus in verschiedenen Prüfkatalogen ihre Berücksichtigung. Im Prüfleitfaden für die Heimaufsicht in Baden-Württemberg haben wir nun ganz aktuell in Kooperation mit dem Sozialministerium die zahnärztlichen Prüfkriterien der aktuellen Versorgungslage der pflegebedürftigen Menschen angepasst. Unterm Strich es tut sich was.

Wie schätzen Sie die dentale Prophylaxe und Versorgung von Senioren und Pflegebedürftigen in Deutschland ein?

Copyright Bundeszahnaerztekammer 2005
© Bundeszahnärztekammer 2005

Dr. Ludwig: Solange die Senioren mobil sind und in unsere Zahnarztpraxen kommen können, stehen uns eine Vielzahl von zahnärztlichen Behandlungskonzepten zum Erhalt der Zähne und des Zahnhalteapparates zur Verfügung. Auch die Industrie hat inzwischen ein reichhaltiges Angebot an Pflegemitteln für die speziellen Bedürfnisse von Senioren und pflegebedürftigen Menschen entwickelt.

Wenn bei Pflegebedürftigkeit die Mundhygiene und zahnärztliche Kontrolle vernachlässigt wird, verschlechtert sich die Mundgesundheit nicht selten sehr schnell, da die Zahn-, Mund- und Zahnersatzpflege in der Altenpflegeaus- und fortbildung den veränderten präventionsbedingten Ansprüchen nicht mehr gerecht wird.

Bitte stellen Sie uns die Initiative des Arbeitskreises Alterszahnheilkunde und Behindertenbehandlung vor. Welche Ziele verfolgt die Initiative? Welche Erfolge kann die Initiative verzeichnen? Gibt es ähnliche Initiativen in anderen Bundesländern?

Dr. Ludwig: Der Arbeitskreis Alterszahnheilkunde und Behindertenbehandlung der LZK BW (AKABe BW) wurde im Jahr 2001 gegründet, um durch flächendeckende Förderung zahnärztlicher Betreuungsmöglichkeiten die Mundgesundheit und damit die Lebensqualität pflegebedürftiger älterer wie auch von Menschen mit Behinderung nachhaltig zu verbessern.

Neben der Entwicklung von Lehr- und Lernmitteln, sowie einer Vielzahl an praktischen Instrumenten für die Kommunikation bzw. Behandlung, gilt es dabei vor allem die Vernetzung der Zahnärzteschaft mit den verschiedendsten Kooperationspartnern in der Pflege voranzutreiben. Dazu zählen stationäre Pflegeeinrichtungen und mobile Pflegedienste genauso wie Pflegestützpunkte, die geriatrische Rehabilitation, Hausärzte, die Heimaufsicht und der öffentliche Gesundheitsdienst.

Im Mittelpunkt unserer Anstrengungen stehen die Schulung und Fortbildung der Zahnärzteschaft und der Praxisteams, die Schulung der Pflegekräfte in der Ausbildung und in der Fortbildung und die zahnärztliche Betreuung pflegebedürftiger Menschen mit Augenmaß.

Für eine adäquate Zahn-, Mund- und Zahnersatzpflege hat der Arbeitskreis in Kooperation mit der Konferenz der Privaten Altenpflegeschulen (KAS) ein preisgekröntes Schulungsprogramm für die Altenpflegeaus- und Fortbildung entwickelt. Wir möchten dieses Schulungsprogramm nun über die Deutsche Gesellschaft für Alterszahnmedizin im Rahmen des geplanten Pflegeberufsausbildungsgesetz in die weiteren Entwicklungen einbringen.

Viele andere Landeszahnärztekammern oder auch einzelne Zahnärztinnen oder Zahnärzte haben sehr interessante Konzepte zur barrierefreien Praxis oder zur zugehenden Betreuung entwickelt. Aktuelle Angebote sollten am besten direkt bei den Landszahnärztekammern über die jeweilige Homepage nachgefragt werden.

Wie wird die Zukunft der zahnmedizinischen Versorgung im Alter aussehen? Was ist die Idealvorstellung?

Dr. Ludwig: Es wird nicht den einen Weg geben, sondern wir werden ein ganz buntes Mosaik an Versorgungsbausteinen entwickeln. Wir werden barrierefreie Praxen haben und daneben eine Vielzahl an Konzepten der zugehenden Betreuung. Es wird Zahnärzte geben, die den Transport ihrer Patienten in die Praxis selbst organisieren. Andere werden nur mit wenigen Instrumenten über Hausbesuche die ärgste Not zu lindern versuchen. Wieder andere werden mit einer mobilen Behandlungseinheit Hausbesuche machen. Wieder andere werden vielleicht mit einem richtigen Behandlungsmobil von Dorf zu Dorf fahren. Es wird Pflegeeinrichtungen geben, die selbst einen Behandlungsraum einrichten, um die Behandlung ihrer Bewohner vor Ort zu ermöglichen. Ambulante anästhesiologische Operationszentren und auch Kliniken werden umfangreiche Sanierungen dieser Hochrisiko­patienten übernehmen. Übrigens: Alle diese Konzepte gibt es vereinzelt schon. Wir werden diese Konzepte in der Zukunft flächendeckend etablieren und auch weiter strukturieren. Vor allem ist die Politik gefordert, die gesetzlichen Rahmenbedingungen weiter anzupassen.

Angehörige und Pflegekräfte spielen eine aktive Rolle bei der Umsetzung von dentaler Prophylaxe. Wo findet man als Betroffener oder Angehöriger Beratung und Hilfestellung? Wie kann sich Pflegepersonal fortbilden?

Dr. Ludwig: In Baden-Württemberg beispielsweise besteht über die Zahnarztsuche auf der Homepage der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg (www.lzkbw.de) die Möglichkeit, z.B. über die Eingabe der Postleitzahl Zahnärztinnen und Zahnärzte mit entsprechenden Angeboten abzufragen. Sogenannte Senioren- und Behindertenbeauftrage (SuB) für jeden Kreis stehen darüber hinaus als Ansprechpartner zur Verfügung (www.lzkbw.de Zahnärzte Alterszahnheilkunde und Behindertenbehandlung Senioren- und Behindertenbeauftragte).

Zum Abschluss: Was kann man selbst zuhause für eine gute Mundhygiene im Alter tun? Welche Tipps haben Sie für Senioren, Pflegebedürftige und Angehörige?

Dr. Ludwig: Regelmäßige Zahn-, Mund- und Zahnersatzpflege sind für eine gute Mundhygiene auch im Alter wichtig. Vor allem die Pflege der Mundschleimhaut mit einer weichen Zahnbürste und Zahnpasta, wenn Prothesen getragen werden, und den Einsatz von Zahnzwischenraumbürsten oder Zungenreinigern gilt es zu beachten. Zusätzlich sollten unbedingt Kontrolluntersuchungen durch einen Zahnarzt einmal oder besser noch zweimal pro Jahr erfolgen (Bonusheft!) entweder in der Praxis oder durch einen Hausbesuch. So kann die häusliche Mundhygiene durch professionelle Maßnahmen unterstützt und durch entsprechende Hinweise den Veränderungen in der Mundhöhle angepasst werden. Auch bei Zahnlosigkeit sind Kontrollen wichtig, da schlechter Sitz der Prothesen die Kaufunktion erheblich beeinträchtigen kann. Scharfe Kanten an Prothesen verletzen die Schleimhäute und sind oft sehr schmerzhaft. Überhaupt können regelmäßige Kontrollen helfen, behandlungsbedürftige Schleimhautveränderungen und Tumoren frühzeitig zu erkennen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Logo AKABe BW Dr. Elmar Ludwig
Vorsitzender des Arbeitskreises Alterszahnheilkunde und Behindertenbehandlung derLandeszahnärztekammer Baden-Württemberg


Experteninterview: Dr. Elmar Ludwig (PDF)

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